Josef Trattner’s Danube Sofa Journey @Cărtureşti Carusel

Ein Sofa an der Donau. Seit 2004 bis heute hat das ziegelfarbene Schaumsofa des österreichischen Künstlers Josef Trattner am Ufer oder direkt am Wasser der Flüsse Geständnisse, hitzige Debatten, künstlerische Experimente, Erinnerungen, Momente des Friedens, der Freude oder der Nostalgie gehört. Kurz gesagt,  existentielle Splitter  von Menschen an der Donau. Josef Trattner war fasziniert von der Vielfalt der Kulturen, die eine der schönsten – aber auch historisch am meisten umkämpften – Regionen Europas ausmachen. Er bereiste viele Länder auf der Suche nach tiefen Bindungen, die die Donau-Nationen vereinen, viel stärkere Bindungen als temporäre Schwierigkeiten, die sie hätten spalten können.

Zwischen dem 11. und 27. September präsentiert das Österreichische Kulturforum Bukarest in Zusammenarbeit mit den Landessammlungen Niederösterreich und der Gruppe Cărtureşti in der Buchhandlung Cărtureşti Carusel in Bukarest in der Multimedia-Ausstellung „Josef Trattners Sofa Journeys“ eine Synthese dieses künstlerischen und langfristigen Forschungsprojekts. Die Veranstaltung wird anlässlich des 10jährigen Jubiläums der EU-Strategie für den Donauraum organisiert und wird von der Abteilung für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der rumänischen Regierung unterstützt.

Im Dezember jährt sich der 10. Jahrestag, an dem die Europäische Kommission die makroregionale Strategie für die Donauregion aus der Taufe hob. Die Donauraum-Strategie soll mehr Wohlstand durch engere Beziehungen und Zusammenarbeit der 14 beteiligten Staaten für 120 Millionen Menschen zwischen Ulm und Konstanza bringen und dabei Rahmenbedingungen für nachhaltigen Umweltschutz etablieren. Das Österreichische Kulturforum Bukarest und das Department für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der rumänischen Regierung wollten dieses Jubiläum in Zusammenarbeit mit der Gruppe Cărtureşti mit einer einzigartigen Präsentation von „Josef Trattners Sofa Journeys“ in einer multimedialen Ausstellung feiern, darunter 18 Kunstfotos und Videoausschnitte aus den Dialogen des Künstlers. Am 22. September um 19.00 und 20.00 Uhr hat das Publikum die Gelegenheit, eine außergewöhnliche Live-Performance von Josef Trattner zu erleben, der mit dem bekannten rumänischen Dichter Peter Sragher, Autor von Gedichten, die von der Donau inspiriert sind, und dem bulgarischen Flötisten Ivan Hristov auftreten wird, der bereits an den Donaureisen des österreichischen Künstlers teilgenommen hat. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache ohne Übersetzung statt. Der Zugang ist kostenlos, jedoch mit obligatorischer Registrierung unter der E-Mail-Adressebukarest-kf(at)bmeia.gv.at, bis zu 20 Personen für jedes der beiden Zeitfenster.

Zwei Elemente lassen sich im künstlerischen Wirken Josef Trattners stets wiederfinden: Interaktion und Schaumstoff. Der 1955 in der Nähe von Graz geborene Künstler findet seine kreativen Impulse im Austausch mit Menschen und zielt darauf ab, dass seine Arbeit im öffentlichen Raum wirksam bleibt und diesen verändert. Trattner setzt gesellschaftliche Fragestellungen in Beziehung zu Form, Farbe und Material seiner Werke. Als 2003 Graz Europäische Kulturhauptstadt war, machte Trattner mit einer großen Möblierung mitten in der Stadt auf sich aufmerksam. Noch nachhaltiger war seine Installation im Wiener Museumsquartier, das er parallel zur Installation in Graz mit überdimensionalen Möbeln ausstattete. Der Absolvent und ehemalige Lehrbeauftragte der Akademie der bildenden Künste in Wien, der das Museumsquartier seinerzeit als „größtes Wohnzimmer Wiens“ bezeichnete, kann somit als geistiger Vater der „Enzis“, der bunten öffentlichen Sitzmöbeln, die mittlerweile schon internationale Berühmtheit erlangt und sich bereits auf einige europäische Großstädte verteilt haben , bezeichnet werden.

© Josef Trattner, Landessammlungen Niederösterreich

Dass sich Trattners favorisiertes Material nicht nur für stationäre Installationen eignet, zeigen seine sechs Sofa-Fahren durch Rumänien, Bulgarien, Polen, die Türkei, entlang der Donau und durch Europa. Sie geben beredtes Zeugnis vom befruchtenden Dialog, den er mit KünstlerInnen aller Art und Herkunft von Hamburg bis nach Trabzon geführt hat. Sein ziegelrotes Schaumstoffsofa bildet seit 2004 dabei im Wortsinn die Grundlage: Trattner reist mit einem Möbelstück, das üblicherweise im Wohnzimmer, dem designierten Ort der Privatheit und Zurückgezogenheit, zu erwarten wäre, in verschiedene europäische und kleinasiatische Städte, und lädt seine Gäste ein, auf seinem Sofa in diesen multidimensionalen, welten-öffnenden Austausch einzusteigen.  Seine lokalen Dialogpartner erschließen ihm dabei ihre Heimatstädte, die Josef Trattner daraufhin mit ästhetischem Filter erkundet. Die Ergebnisse dieser Interaktionen sind beeindruckende Kunstfotografien und Videoarbeiten, die er zwischen 11. und 27. September in der Buchhandlung Carturesti Carussel ausstellt.

Peter Sragher wurde 1960 in Bukarest geboren und ist Autor mehrerer Gedichtbände, die im In- und Ausland veröffentlicht wurden. Er ist Präsident der Zweigstelle „Bukarest – literarische Übersetzungen“ und Mitglied des Rates und des Lenkungsausschusses der Rumänischen Schriftstellervereinigung sowie der Grazer Autorinnen- und Autorenversammlung – Österreich. Er ist Koordinator des einzigen monatlich erscheinenden Online-Magazins für literarische Übersetzung in Rumänien – „Revista de traduceri literare“ (www.fitralit.ro/revista) und der Treffen „Colocviile de traduceri literare“.

Ivan Hristov (geb. 1978) wurde mit mehreren renommierten internationalen Poesiepreisen ausgezeichnet und ist einer der am meisten übersetzten bulgarischen Dichter. Seine Werke erscheinen in 12 Fremdsprachen (darunter Rumänisch – „Bdin, gefolgt von amerikanischen Gedichten“, Verlag Max Blecher, 2016). Als vielseitiger Künstler ist Ivan Hristov nicht nur ein führender Vertreter der bulgarischen Poesie am  Beginn des 21. Jahrhunderts, sondern auch ein leidenschaftlicher, hochrangiger Flötist, der seine öffentlichen Lesungen in echte Performances verwandelt. Derzeit ist er Forscher am Institut für Literatur der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften.

Am 23. September organisieren das Österreichische Kulturforum Bukarest und das Department für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der rumänischen Regierung eine wissenschaftliche Online-Konferenz in englischer Sprache „Minderheiten als Schatz des Donauraums“, die zwischenzeitlich 9.30 und 14.30 Uhr live verfolgt werden kann auf den Facebook-Seiten @DepartamentulPentruRelatiiInteretnice und @fca.bucuresti